Wenn der Papst katholisch wär´
Das mit der Pressefreiheit is gar nich so einfach. Das wissen wir spätestens seit den Mohammed-Karikaturen. Und das mit der Meinungsfreiheit auch nich. Das wissen wir widerum spätestens seit Transparancy International, Euroweb oder wie sie alle heißen.
Dass es gerade mit der Pressefreiheit komische Ausmaße anehmen kann, zeigt der Fall von Thea Schädlich (68) aus Kummerfeld, nahe Pinneberg. Die Besitzerin zweier Häuser hatte wohl Probleme mit der Ordenlichkeit, so wie man den Begriff aus Sicht von gesellschaftlichen Normen versteht. Auch hatte sie wohl auch in anderen Belangen Schwierigkeiten ihr Leben alleine für sich zu regeln. Darum wurden ihr vom Amtsgericht Pinneberg zwei Betreuer gestellt, die somit auch die Vollmacht über ihre Besitztümer erhielten. Die stellten fest, dass Frau Schädlich noch eine beträchtliche Summe Steuerschulden hatte. Um diese zu decken, beschlossen sie, dass Haus von Frau Schädlich zu verkaufen. Sie verkauften aber nicht das kleinere und unbewohnte Haus, was vollkommen ausgereicht hätte, sondern das Größere, in dem Frau Schädlich gewohnt hatte. Und zwar gegen ihren ausdrücklichen Willen.
Der Käufer war die Gemeinde Kummerfeld, die das Grundstück zu einem ungewöhnlich günstigen Preis kaufen konnte und, so es der Zufall wollte, recht schnell einen neuen Nutzungsvorschlag parat hatte. Spätestens hier wurde die Sache merkwürdig und das Abendblatt begann darüber zu berichten.
Die Betreuer bewirkten einen Gerichtsbeschluss, und das Abendblatt durfte nicht mehr über den Fall berichten. Schließlich bat Frau Schädlich selbst die Redaktion des Abendblatts um Hilfe. Das Abendblatt klagte und gewann. Und darf wieder berichten. Das absurde: Die Betreuer hatten die Berichterstattung im Namen von Frau Schädlich stoppen lassen. Nun hatte sie zwar Erfolg, denn ihr Fall wird wieder in die Öffentlichkeit gerückt, aber den Prozess, den sie nicht wollte, hat sie verloren. Und muss nun die Gerichtskosten tragen...
Eine weitere lächerliche Diskussion, gerade wenn man den Karikaturen-Streit noch im Hinterkopf hat, ist der Streit um "Popetown", eine Zeichentrickserie über einen Papst. Unionspolitiker wettern, Bischöffe reichen klagen ein und viele Katholiken fühlen sich schon jetzt prophylaktisch auf den Schlips getreten, ohne auch nur eine Sekunde von der Serie gesehen zu haben. Und die waren es natürlich, die am heftigstens den Kopf geschüttelt haben, als Millionen Moslems auf die Straße gingen, obwohl auch die Meisten von ihnen die Karikaturen kaum gesehen hatten.
Die Serie mag großer Mist sein, aber gerade hier und jetzt geht es natürlich wieder ums Prinzip. Sollte die Serie wirklich nicht ausgestrahlt werden, sind wir mitten drin in der viel belächelten amerikanischen Bigotterie. Zwei Beispiele für einen erschreckenden Trend: Freiheit wird relativ.
In diesem Sinne: Frohe Ostern!
