Köln Review - 1. Tag
Kaum dass ich in Köln angekommen bin, hab ich mich schon fast geprügelt. In bin gerade meiner Bahn entstiegen und stiefelte auf den Bahnhofsvorplatz. Dort wollte mir ein Mädchen Rosen verkaufen. Is ja soweit nich ungewöhnlich, kennt man ja auch aus HH. Ich dankte freundlich ab. Sie war grad 2 Meter weiter gegangen, da wurde das Mädel von so´nem Juppityp meines Alters angebrüllt, der da mit seiner Schnitte auf der Treppe saß:
"Hey, Du bist ja immer noch am rumbetteln! Geh endlich arbeiten! Belaste mich nich länger die Gesellschaft! Geh zum Arbeitsamt, da würdeste Arbeit kriegen, wenn de wolltest!" Ich kannte mich in Köln ja noch nicht aus, aber von anderen Gegenden Deutschlands meine ich zu wissen, daß das Arbeitsamt sicherlich derzeit nicht der beste Platz um Arbeit zu suchen. Und sowieso gefiel mir sein Tonfall nicht:
"Da is man grad 2 Minuten in Köln, dieser achso weltoffenen, toleranten Stadt, und muss sich so´n scheiß Spruch anhören!"
"Hey, diese Sozialschmarotzer! Ich arbeite wenigstens hart für meine Kohle!"
Seinem Aufzug nach, zog ich meine Schlußfolgerungen:
"BWLer... Jeden Tag schwitzend am Computer...."
Sein Schweigen wurde als ja gewertet. Und um noch weiter zu provozieren stellte ich die sehr gewagte These auf:
"So wie Du aussiehst, hab ich schon um einiges mehr gearbeitet als Du...."
"Woher willst das wissen? Nur weil ich rasiert bin?"
Da ich mit dieser Aussage nun gar nix anfangen konnte, zumal er einen Drei-Tage-Bart hatte, sagte ich:
"Ja, genau deswegen..."
Ich ging dann meines Weges, aber nich ohne mich alle 2 Meter umzudrehen und ihm einen verächtlichen Blick zuzuwerfen.
Als ich bei Markus eintraf lernte ich dann auch gleich eine japanische Freundin von ihm kennen. Ihr Vorname klingt so eine bißchen nach einer Naturkatastrophe aber Tsunami war es nicht...
Am Abend wurden mir von meinem Gastgeber die vermeintlichen Schönheiten Kölns gezeigt. So richtig hübsch find ich die Stadt ja nich. Und wer auch nicht hübsch ist, ist Alice Schwarzer. Die stiefelte mit verhärmter, finsterer Miene auf dem Heumarkt an uns vorbei. Der Emanzipationskampf hat seine Narben hinterlassen... Aber sie war schneller verschwunden, als daß ich "Ich hab ein Emma Abo!" schreien und ein Foto hätte machen können...
Am späteren Abend gingen wir auf eine Geburtstagsparty von 2 pummligen Zwillingsmädels kurdischer Abstammung. War sowieso insgesamt eine sehr Multikulturelle Veranstaltung. Ich konnte die verschiedenen Nationalitäten gar nich mehr zählen, aber von Schweden über Kamerun bis Indien war alles dabei. Viele von ihnen waren ohnehin in Deutschland geboren oder aufgewachsen, und es ist dann ein bißchen gewöhnungsbedürftig wenn eine zarte Inderin dann im typischsten Kölsch hinter einem herbrüllt, man solle ihr noch eins mitbringen. Ebenfalls ein Kölsch natürlich.
Ich hab mich sehr gut amüsiert und mich nett mit der halben Welt unterhalten, wobei es mir die süße Schwedin besonders angetan hatte. Sie hieß Marlin. Ich erinnerte mich an meine Kindheit und an das Ferienprogramm und an "Ferien auf Saltkrokan" und daran, daß da auch jemand Marlin hieß. Und sie erklärte mir, daß vor dieser Fernsehserie keine Frau in Schweden Marlin hieß, aber nun heißen sie da alle so.
Also wirklich nette Party, nur daß eben nich eine einzige Pulle Pils aufzutreiben war. Aber auf so´ner Multi-Kulti-Party zwingt man sich dann auch mal das Kölsch rein.