Eigentlich is das Timing ja ganz gut. In meinem nächsten Semester wird es dominierend um die menschliche Anatomie gehen. Und zur Zeit gastiert die Körperweltenausstellung in Hamburg. Eigentlich stellt sich da ja nicht die Frage, ob man da hingeht. Aber ich hab zunehmend Bedenken moralischer Natur. Ich hab den Gunther v. Hagens schon immer für ein bißchen krank gehalten, aber was derzeit durch die Medien geht, spricht dafür, daß mehr einiges mehr an Leichen im Keller hat, als bisher bekannt. Er kauft Leichen in Russland, ohne daß vorher von diesen Menschen einer Körperspende zugestimmt wurde. Lebten diese Menschen in Heimen oder Krankenhäusern, ging es oftmals an den Angehörigen vorbei. In China steht mittlerweile eine Plastinationsfabrik, wo im Akkord Leichen aus dubiosen Quellen plastiniert und dann zu horrenden Preisen verkauft werden. Ein Millionengeschäft.
Kranke Menschen aus ärmeren Ländern, die für eine Plastination interessante Abnormitäten vorweisen, werden mit dem Versprechen nach Deutschland gelockt, hier kostenlose, medizinische Hilfe zu bekommen, dann aber dazu gepresst, einer Körperspende zuzustimmen. Es ist klar, daß dann kaum mehr ein Interesse besteht, das Leben dieser Menschen durch Gratismedizin zu verlängern.
Da werden Menschen zu "Kunst" verarbeitet, ausgestellt und bringen v. Hagens so Millionen, ohne daß sie dem jemals zugestimmt hätten. Die Behörden interessiert es herzlich wenig, ihnen reicht eine eidesstattliche Erklärung, daß es irgendwo solche Zustimmungen gibt.
Mir ist das alles sehr Suspekt, denn schließlich geht es nicht um eine Ausstellung von Bildern, die mit geklauter Farbe gemalt wurden, sondern um echte lebende tote Menschen. Und wenn auch jeweils nur ein Teil der Wahrheit in diesen Anschuldigungen steckt, reicht einfaches Schulterzucken vorm Reingehen nicht mehr.

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