In Erfurt ballert jemand 17 Leute und sich selbst weg. Und BILD trauert im flugs geschalteten Werbespot mit den Angehörigen. Na gottseidank.
Freitag, April 26, 2002
Mittwoch, April 24, 2002
Mutter hat mit einer Frau telefoniert. Diese wollte wissen, was denn der Joost jetzt so treibt. In Hamburg ist der Joost, sagte Mutter. Ob sie denn Mal die Telefonnummer des Joostes haben könnte. Klar, sagte Mutter und gab sie ihr.
Und nun? Wer is diese Frau? Bei mir hat sie sich nicht gemeldet. Und Mama hat sich den Namen natürlich auch nicht so recht merken können.
Also, Hilfe auf die sprichwörtlichen Sprünge bitte per E-Mail. Eventuelle Begegnungen mit weiteren Schatten der Vergangenheit werden in Kauf genommen.
Desweiteren entzieht es sich mir weiterhin der Kenntnis, wer Schwester Erika ist.
Ik kom erachter!
Heute Kindergeburtstag bei den Nachbarn. Der vierjährige Lümmel von nebenan hatte seine Kindergartenkumpels zur Party geladen. So hallte zur Abwechslung mal Kindergeschrei und Trötengetröte statt tuberkulöses Pensionärsgehuste durchs Treppenhaus.
Montag, April 22, 2002
Markus war am Wochenende zu Besuch. Haben damit den Altersschnitt im Wohnviertel für kurze Zeit ein bißchen runtergedrückt. Aber er war erkältet und kränkelnd, so daß die Rentner drumherum sogar fitter waren.
Samstag, April 13, 2002
"Im Schritt-Tempo fährt unser Protagonist in seinem Auto durch die engen Schluchten der rotgeklinkerten Nachkriegsbauten. Der Dunst der frühen Morgenstunden klebt wie zäher Schleim an der Straße. An der nächsten Kreuzung, als der Fahrer das Tempo reduziert, um nach rechts zu schauen, trifft sein Blick auf den einer Frau. 80jährig, buckelig und gramgebeugt schiebt sie mit verhärmten Gesichtsausdruck ihren Gehwagen vor sich her. Ein einsamer Sonnenstrahl fällt auf ihr Gesicht und zeigt deutlich die graue, livide Farbe ihrer aut, die einen denken läßt, daß sie anstelle morgens um halb sieben durch die Straßen zu ziehen, eher in ein Sauerstoffzelt gehört.
Ihre finstere Miene wird noch finsterer als ihr Blick auf das auswärtige Autokennzeichen des Autofahrers fällt. Das männliche Gegenstück auf der andere Straßenseite verfolgt den Wagen ebenfalls mit düsterem Blick.
Am Ziel seiner Reise angelangt stellt der Fahrer den Wagen am Straßenrand und schaut auf die Uhr. 6.44 Uhr. Noch eine Minute. Und dann passiert es. Die Tür des Wohnhauses öffnet sich. Der weißhaarige Mann - seit mindestens 1973 in diesen grell-blauen Trainingsanzug gekleidet, der nur deshalb nicht verwaschen aussieht, weil er wahrscheinlich noch nie gewaschen wurde - verlässt das Haus. O-beinig, die leere Brötchentüte fein säuberlich gefaltet unter den Arm geklemmt, stakst er Richtung Bäcker um nach genau 2 Minuten wieder zurückzukehren. Die alte Brötchentüte, auf der die verblasste Aufschrift gerade noch so eben den Namen der Bäckerei verrät, wieder mit 3 normalen Brötchen gefüllt. Eineinhalb Brötchen wird er gleich zum Frühstück essen, während er in der soeben gekauften Tageszeitung blättert. Den Rest der Brötchen möchte er vielleicht später essen, füttert aber dann doch am Abend die Tauben damit.
Unser Fahrer steigt aus dem Wagen und geht seinem Ziel entgegen, wiederum verfolgt von mistrauischen Blicken..."
Was soll das jetzt sein? Ein Auszug aus einem schlechten Hohlbein-Roman? Ein Werbefilm des Familienministeriums für mehr Fürsorge alter Menschen?
Nö, Joost kommt vom Nachtdienst nach Hause und trifft dabei auf seine normale Nachbarschaft...
Mittwoch, April 10, 2002
Wir haben derzeit eine Patientin, die aufgrund ihrer beträchtlichen Körperfülle, ihrer Bewegungseinschränkung und ihrem Unvermögen beim Pinkeln den Topf zu treffen dazu neigt, wie soll man sagen... etwas zu riechen. So wurde bei der Dienstübergabe dann auch darüber diskutiert, wie man den Duft umschreiben könnte. "Fisch", "Komposthaufen", "Tote Katze" und andere schöne Begriffe fielen. Mein Vorschlag: "Frau"...
Ich wäre beinahe rausgeschmissen worden...
Weitere Düfte: desweiteren haben wir einen Ökolandwirt aus einer Ökokommune auf Station. Dieser Mann wäscht sich zwar einigermaßen regelmäßig, benutzt dazu aber so Ökoseife, an dessen Geruch man sich auch erstmal gewöhnen muss.
Eine Krankenschwester aus Polen wusste es mit ihrem deutschem Wortschatz nur so zu umschreiben: "..wie Scheiße auf der Wiese im Sommer nach´m Regen."
Dienstag, April 09, 2002
Soeben habe ich meine Eltern verabschiedet. Waren kurz zur Wohnungsabnahme hier und haben mir noch reichlich geholfen.
Zum Schluß war ich mit den beiden noch Essen. Kleines, etwas biederes italienisches Restaurant, daß zu Fuß von der Wohnung gemütlich zu erreichen ist.
Mein Vater hat noch ein bißchen was in der Wohnung gestrichen, und sah dementsprechend aus. Zersauste Haare, dreckige Hände, etc. Bei der Bestellung schob er der Bedienung die Speisekarte zu, deutete auf das Menu seiner Wahl und grunzte. Das einzige Restaurant, wo ich mal bequem hinlaufen könnte, und schon kann ich mich da nicht mehr blicken lassen...
»Wirf Deine Freunde hinaus, die Kraftstrotzenden, Lauten, Immer-Zufriedenen.
Behalte die Matten-Müden, Moros-Morbiden-Makaber-Monstruösen - die Immer-Meckernd-Muffen, kurz die Miesen, sie erfrischen und verjüngen.«
-Varlin
Jetzt wissen einige meiner Freunde, warum sie es sind.
Montag, April 08, 2002
Auszug aus einem Diabetiker-Tagebuch eines Alkoholikers:
Frühstück: Bier und Korn
Mittagessen: Korn und Bier
Nachmittag: ausnüchtern + schlaffen.
Abendessen: Bier und Korn.
Termine: zum Aldi gehen.
Also nix, was ungewöhhnlich wär.
Samstag, April 06, 2002
Für alle die keine E-Mail von meiner Schwester bekommen haben: Ich hoffe auch, daß das Leben Euch freundlich behandelt.
Freitag, April 05, 2002
Telefonat mit Jenne.
"...dann machs gut. Und grüß Deinen Mann von mir."
"Jep, Joost, mach ich. Also bis denn und grüß...äh...ach, Du hast ja gar keinen zum Grüßen."
Ob der gnadenlosen Wahrheit dieser Aussage verfiel ich sogleich in Bugl´sche Depressionen.
Wurde soeben Zeuge einer Massenvergewaltigung unter Enten. Fünf Erpel fielen über eine Entenfrau her. Dachte urplötzlich über unsere kranke Gesellschaft nach und bekam Lust auf chinesisches Essen.
Ostern trotz Neffen gut überstanden. Wenn auch unspektakulär. Meine Oma wurde auch nicht von dem Bengel aus dem Rolli geschmissen, sondern lediglich auf´s derbste beschimpft. Das geht ja dann noch.
So, ich hocke nun in meinem neuen Reich, daß immer noch aussieht als hätten hier ein paar Palästinenser Passafest gefeiert, aber es wird. Is schon cool endlich nur mit Unterhose bekleidet, sich am Sack kratzend zum Kühlschrank zu begeben ohne auf eine zickige Mitbewohnerin zu treffen. Naja, ich hab noch keinen Kühlschrank, aber das Gefühl is schon geil. Naja, Vorhänge habe ich auch noch keine, so daß ich mir das auch ohne Kühlschrank überlegen sollte, aber es geht ja ums Prinzip.
Gestern war ich nach langer Zeit im "Kir". Ein angenehm unspektakulärer Laden, in dem ich als Zivi mit Klopp und Konserten regelmäßig jeden Donnerstag reichlich Kohle für Becks und Kickern gelassen haben.
Der Laden sieht weitestgehend noch so aus wie immer, selbst das hübsche Thekenmädel war immer noch hübsch und zum Urinstein im Pissoir habe ich vor 5 Jahren schon das erste mal beigetragen...
Heute habe ich frei und werde ich mich jetzt überwinden hier noch weiter etwas Ordnung zu schaffen.
Morgen darf ich dann wieder ran. Ostern war wieder ein gutes Wochenende: gutes Wetter und haufenweise ungeübte Motorradfahrer lassen mich nie arbeitslos werden....
Montag, April 01, 2002
Ostern im sonnigen Ostfriesland. Hach, wat schön. Gleich kommt meine Schwester mit meinem verzogenen, 2-jährigen Neffen, der was Respekt gegenüber Erwachsenen angeht, keine entsprechende Veranlagung in seinen Genen zu haben scheint.
Je älter der Erwachsene, desto weniger der Respekt. Also komm ich noch gut weg, aber ich warte auf den Tag, an dem er meine arme Oma aus dem Rollstuhl schubst.
Er ist der Grund, warum ich nie Kinder haben möchte...
