tuten-und-blasen.de

Ohne Blasen kein Tuten.

Samstag, April 13, 2002

"Im Schritt-Tempo fährt unser Protagonist in seinem Auto durch die engen Schluchten der rotgeklinkerten Nachkriegsbauten. Der Dunst der frühen Morgenstunden klebt wie zäher Schleim an der Straße. An der nächsten Kreuzung, als der Fahrer das Tempo reduziert, um nach rechts zu schauen, trifft sein Blick auf den einer Frau. 80jährig, buckelig und gramgebeugt schiebt sie mit verhärmten Gesichtsausdruck ihren Gehwagen vor sich her. Ein einsamer Sonnenstrahl fällt auf ihr Gesicht und zeigt deutlich die graue, livide Farbe ihrer aut, die einen denken läßt, daß sie anstelle morgens um halb sieben durch die Straßen zu ziehen, eher in ein Sauerstoffzelt gehört.
Ihre finstere Miene wird noch finsterer als ihr Blick auf das auswärtige Autokennzeichen des Autofahrers fällt. Das männliche Gegenstück auf der andere Straßenseite verfolgt den Wagen ebenfalls mit düsterem Blick.
Am Ziel seiner Reise angelangt stellt der Fahrer den Wagen am Straßenrand und schaut auf die Uhr. 6.44 Uhr. Noch eine Minute. Und dann passiert es. Die Tür des Wohnhauses öffnet sich. Der weißhaarige Mann - seit mindestens 1973 in diesen grell-blauen Trainingsanzug gekleidet, der nur deshalb nicht verwaschen aussieht, weil er wahrscheinlich noch nie gewaschen wurde - verlässt das Haus. O-beinig, die leere Brötchentüte fein säuberlich gefaltet unter den Arm geklemmt, stakst er Richtung Bäcker um nach genau 2 Minuten wieder zurückzukehren. Die alte Brötchentüte, auf der die verblasste Aufschrift gerade noch so eben den Namen der Bäckerei verrät, wieder mit 3 normalen Brötchen gefüllt. Eineinhalb Brötchen wird er gleich zum Frühstück essen, während er in der soeben gekauften Tageszeitung blättert. Den Rest der Brötchen möchte er vielleicht später essen, füttert aber dann doch am Abend die Tauben damit.
Unser Fahrer steigt aus dem Wagen und geht seinem Ziel entgegen, wiederum verfolgt von mistrauischen Blicken..."

Was soll das jetzt sein? Ein Auszug aus einem schlechten Hohlbein-Roman? Ein Werbefilm des Familienministeriums für mehr Fürsorge alter Menschen?
Nö, Joost kommt vom Nachtdienst nach Hause und trifft dabei auf seine normale Nachbarschaft...